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Verlassene Orte


Leo Pompinon


© Leo Pompinon

Moisissure, Belgien 2011 © Leo Pompinon

Divina Commedia, Polen 2011 © Leo Pompinon

Glück auf, Deutschland 2011 © Leo Pompinon

04.09.-23.10.2011

 

Im Chaos der räumlichen Entleerung und ökonomischen Abwicklung sucht Leo Pompinon nach den Geschichten des Vergangenen, nach architektonischen Hinterlassenschaften wie ehemaligen Heilstätten, Kirchen, Brauereien oder Flughafenanlagen.

 

Alle haben sie eines gemeinsam: Waren sie einst noch Mittelpunkt und Heimstätte von Ideen und Entwicklungen, sind sie nun vergessen und dem Verfall preisgegeben oder werden von der Natur zurückerobert. In die Höhe ragende Türme, im Licht schimmernde Metalltüren, eine marode Bausubstanz oder verblasste Farben hinterlassen dann nicht nur Bilder einer verschwindenden Zeit, sondern geben auch einen Einblick in eine einstige Welt wider.

 

Dabei interessiert sich Leo Pompinon nicht nur für die Architektur seiner ausgewählten Räume, sondern sucht nach Spuren, die die Geschichte des verwaisten Ortes auch heute noch deutlich lesbar machen. Reste elektrischer Leitungen fungieren als `Wandstudie´ vor abfallendem Putz, in `Fernsehen´ wird die Poesie des Morbiden deutlich, `OP-Saal´ ist Zeugnis von Vandalismus.

 

Seine Bilder sind stets menschenleer. Zudem ist der Fotograf ein Spezialist in der räumlichen Ästhetik und Komposition. In der einfühlsamen Stille seiner Aufnahmen und in der Detailgenauigkeit seiner Bilder liegt eine außergewöhnliche Kraft. Sie sind Stillleben, die in ihrer Farbigkeit und einzigartigen Qualität eine Kulisse für die Fantasie des Betrachters bilden. Die Melancholie verlassener Stätte mit all ihren Rudimenten menschlichen Daseins erzeugt das Gefühl von Faszination und Beängstigung. In Leo Pompinons Fotografien erscheint die Wirklichkeit surreal, aber authentisch. Er agiert wie ein Maler mit der Fotografie. Im Spiel aus Licht und Schatten werden vorhandene Zusammenhänge aufgelöst, neue Strukturen bilden sich. Die Grenze zwischen Fotografie und Malerei wird in Leo Pompinons Werken ebenso aufgelöst wie jene zwischen Schöpfung und Verfall.

 

In seinen Motiven treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander. Nichts ist so faszinierend, schreibt Walter Benjamin, wie der „Schaum der Tage“ (Boris Vian), wenn er sich in Bildern kristallisiert, wie das winzige Fünkchen hier und jetzt, mit dem die Wirklichkeit den Bildcharakter gleichsam durchsengt hat.

 

Miriam Stewering

 

 

Zur Ausstellung ist eine Dokumentation erschienen.